H08 Präparierte Instrumente


Radiergummis, Stricknadeln, Papierblätter. Reinbohren. Das präparierte Instrument bringt neue Geräusche: Papier aufs Klavier. Gummi auf die Saiten. Pfeile auf das Cello. Und ein Interview mit dem Komponisten Georg Nussbaumer (Wien).

Episode 08       Präparierte Instrumente

INHALTE

A) Lothar versucht(e) sein Klavier zu präparieren- früher einmal, Elisabeth hat eine Kindergitarre präpariert

Silvia Ocougne lebt seit 1987 in Berlin, wo sie als Komponistin, Interpretin und Kuratorin im Bereich neuer, experimenteller und brasilianischer Musik arbeitet….“Neben akustischen Gitarren präpariert und spielt sie alle Arten von Zupfinstrumenten.
Experimente mit Klangfarben, unterschiedlichen Stimmungen und neuen, ungewöhnlichen Spielweisen bestimmen Silvia Ocougnes Musik”…

Festival-Organisator Stephan Wunderlich über die teilnehmenden Musiker:  1 Die Brasilianerin Silvia Ocougne habe ich dieses Jahr in Berlin kennengelernt. Es ist ihre erste solistische Aufführung in München. In dem neuen Stück für fünf präparierte Zithern spielt sie percussiv und erfindet Spielweisen, um mit kleinen elektrischen und elektronischen Geräten die Saiten zum Schwingen zu bringen.

http://www.experimentelle-musik.info/

http://www.oxuma.de/#CDs https://myspace.com/armchairtravellermusic/music/songs

B) Das präparierte Klavier

John Cage – Bacchanale for Prepared Piano (1940) [Score-Video]

http://www.bing.com/videos/search?q=Bacchanale+JOhn+Cage+you+tube&&view=detail&mid=291D1C0B71265FD2B0CD291D1C0B71265FD2B0CD&rvsmid=291D1C0B71265FD2B0CD291D1C0B71265FD2B0CD&fsscr=0&FORM=VDFSRV

C) Interview mit Georg Nussbaumer:

Stellenwert der präparierten Instrumente im Werkverzeichnis, Fragen zur Materialienauswahl, vom präparieren Instrument zum Klang-Objekt

Wiederholbarkeit und  Einmaligkeit von musikalischen Aktionen

Verweis auf Episode 01 – Vom Fliegen und Flugversuchen

Weiße Flugversuche von Georg Nussbaumer

http://georgnussbaumer.com/

Werke von Georg Nussbaumer beim Ariadne Verlag

http://www.ariadne-verlag.com/werke.php?kompid=19

D) Stricknadeln in den Saiten

Anna Spinas Passion gilt der zeitgenössischen Musik und ihrer Viola Vuillaume von 1869, die sie bei Bedarf präpariert. Begegnung mit einer Bernerin, die für ihre innovativen Projekte mehrfach ausgezeichnet wurde.

aus einem Interview Der kleine Bund von Marianne Mühlemann, 10.11.2010

Kann man Neue Musik auf alten Instrumenten spielen?
Aber sicher. Zurzeit spiele ich auf einer alten französischen Viola Vuillaume von 1869, die ich nach Bedarf präpariere. So kommt es vor, dass eine Stricknadel zwischen den Saiten eingeklemmt mit- summt. Oder Büroklammern auf den Saiten schnarren. ..

C) gestopfte Hörner, gedämpfte Streichinstrumente – klingt kulinarisch – historische Methoden

D) LIVE Demonstration zu split rudder von Malin Bång am Ende der Episode

Paetzold Contrabass Recorder in F

Duration: 9’30”

Commissioned by Anna Petrini through Kulturkontakt Nord split rudder was composed for Anna Petrini

during the winter 2010/2011

Performance notes

Tools/preparation Microphones

Microphone 1: a small microphone is placed inside the instrument, right inside of the ending hole of the foot joint, see arrow 1. The microphone is kept in place by tape, see below under “labium and foot joint hole mute”.

Microphone 2: a mounted microphone close to the instrument directed towards the middle part of the contrabass recorder, see arrow 2 in the picture below. Microphone 3: a small microphone, for example a DPA lavalier instrument microphone is attached on the instrument, beside the labium, see arrow 3 in the picture below.

Labium and foot joint hole mute

Cover the labium with strong water resistant duct tape, leaving only a narrow opening of ca 2 mm at the left side of the labium, see the picture 3:

Cover the foot joint hole carefully by a strong duct tape, and tape the microphone cable to fasten the microphone in its position, leaving an opening of a ca 3 millimeters at the top of the hole, see picture 4:

Jingles

Prepare three, small, round metallic jingles on a thin cord, ca 7 cm long. Attach the string to a piece of strong duct tape.

During bar 42 and 43 the jingles are attached to the instrument. Tape the cord with the jingles on the 4:th key of the right hand (see the circle at arrow 2), as much to the right as possible (as seen from the performers angle, when sitting with the instrument in playing position).The tape is stuck to the right/top corner of the key and the jingles hang on the lower part of the key, right above the fingering spot, so that a loud rattle is produced when playing the key, see picture 5.

ad. B) Das präparierte Klavier

Nordwestradio › Sendungen › Nordwestradio in concert: Klassik
23. Mai 2016, 22:05 Uhr
Nordwestradio in concert: Klassik
Landscapes
Die Werke des amerikanischen Komponisten und Künstlers John Cage werden häufig als Schlüsselwerke der Neuen Musik angesehen. Am 23. Mai um 22 Uhr hören Sie im Nordwestradio das Stück “Bacchanale”, das er für das präparierte Klavier geschrieben hat. Interpretin ist Susanne Kessel.

Quelle: DPA
Das präparierte Klavier
Die klangliche Vielfalt des präparierten Klaviers machte den Flügel zu dem praktischsten Instrument für John Cage. In den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts schrieb er viel dafür als Musik zu Tanzstücken, meistens für Merce Cunningham, aber gelegentlich auch für andere wie Jean Erdman.
Mit dem präparierten Klavier hatte John Cage eine Art Perkussionsorchester geschaffen, das von einem einzigen Spieler kontrolliert wird. Manche hat diese Musik an Gamelanmusik erinnert, aber Cage war eher daran interessiert, eine Musik zu schreiben, die nicht nur auf der westlichen Tonalität basierte und auch Geräusche benutzte. Cage begann um 1940, mit dem präparierten Klavier zu arbeiten, zum Beispiel mit dem Stück “Bacchanale”. Seine Komposition “Daughters of the Lonesome Isle” entstand 1945.
Am Mikrofon: Marita Emigholz

http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/in-concert_klassik/john-cage12
www.beckmesser.de/komponisten/cage/praepklavier.html
Bolzen, Schrauben, Plastik
John Cage und das präparierte Klavier
Dass das Klavier im Grunde genommen ein Perkussionsinstrument ist, hat schon mancher Klavierspieler erfahren müssen bei dem Versuch, der Vortragsbezeichnung “cantabile” gerecht zu werden. Zwischen der harten Tatsache der angeschlagenen beziehungsweise – beim Cembalo – angerissenen und schnell ausklingenden Saite und der Idee eines vom Atem getragenen Klangkontinuums liegen Welten. Die ganze pianistische Entwicklung der letzten Jahrhunderte kann als Versuch betrachtet werden, den Schlagzeugcharakter des Instruments zu überlisten, von den rauschenden Arpeggien in Bachs Toccaten über die Melodik von Mozart und Chopin, die Klangmalereien eines Liszt und Ravel bis zu den raumstrukturierenden Tonbüscheln und Tonfeldern bei Xenakis und zur Gestaltung der Ausklangprozesse bei Lachenmann.
Der Amerikaner John Cage hat hier wie in so vielen andern Fällen, in denen es darum ging, komplexe Sachverhalte der europäischen Musikpraxis aus der Sicht der Gegenwart neu zu bewerten, den direkten Weg beschritten und das Problem dadurch gelöst, dass er einfach die Fragestellung beiseite wischte. Mit andern Worten: Er reduzierte das Klavier wieder auf das Perkussionsinstrument, das schon immer in ihm gesteckt hatte. Interpretatorische Parameter wie subjektiver Ausdruck, Gesanglichkeit, klangliche Differenzierung mittels spontaner Anschlagsnuancen und technische Brillanz – Qualitäten, die unsere Musiksprache maßgeblich mitgeprägt haben – wurden von Cage auf einen Schlag eliminiert. Er nahm den Verlust des ganzen Spektrums hoch differenzierter Artikulationsmöglichkeiten in Kauf, handelte sich aber auf der andern Seite eine Vielfalt von Klangfarben ein, wie sie das Klavier bis dahin nicht gekannt hatte.
Schauplatz dieses Ab- und Umbaus der instrumentalen Möglichkeiten sind Cages Werke für präpariertes Klavier. Die Serie dieser Werke beginnt mit “Bacchanal”, der Begleitmusik zu einem 1940 in Seattle aufgeführten Tanzstück von Syvilla Fort, und endet 1954 mit den beiden Dauernstücken 31’57.9864″ und 34’46.776″. Diese beiden Kompositionen wurden von den Donaueschinger Musiktagen in Auftrag gegeben und von John Cage und David Tudor bei ihrem legendären Europa-Debüt am 17. Oktober 1954 in einer dreizehnminütigen Kurzversion im Duo uraufgeführt. Das 1962 bei Peters veröffentlichte Werkverzeichnis von John Cage nennt insgesamt sechzehn Solostücke und zwei Klavierduos für präpariertes Klavier. Einige von ihnen sind im Konzertsaal und auf CD häufiger anzutreffen, so etwa “Amores” (1943), “The Perilous Night” (1944) oder “Music for Marcel Duchamp” (1947). Vor allem aber die “Sonatas and Interludes” (1946-48), eine Sammlung von zwanzig kurzen Charakterstücken, die als eine Art Kompendium von Cages Methoden, das Klavier zu präparieren, angesehen werden können. Laut Komponist müssen hier für die Präparation zwei bis drei Stunden veranschlagt werden.

Cowell, Ravel, Cage
Die Methode der Präparation fand und entwickelte John Cage auf eine für ihn charakteristische, experimentelle Weise im Zusammenhang mit der Choreografie zu “Bacchanal”. Der Ausgangspunkt, erläutert er in seinem programmatischen Aufsatz “How the Piano Came to Be Prepared” (1), war die pure Notwendigkeit. Auf und vor der Bühne gab es keinen Platz für die Schlaginstrumente, mit denen er eine “afrikanische” Atmosphäre zu schaffen beabsichtigte; deshalb begann er, an dem einzigen verfügbaren Instrument, einem Klavier, Schlagzeugeffekte auszuprobieren. Zur Idee, die Saiten im Inneren des Klaviers zu bespielen und Gegenstände darauf anzubringen, um den Klang zu beeinflussen, wurde Cage wohl angeregt durch seinen Lehrer Henry Cowell, der dergleichen Klangexperimente schon in den zwanziger Jahren gemacht hatte. Vielleicht hatte er auch Kenntnis von Ravels 1925 uraufgeführter Oper “L’enfant et les sortilèges”, wo auch schon ein Klavier eingesetzt wird, dessen Klang durch Eingriffe in die Saiten verfremdet wird. Als “Erfinder” des präparierten Klaviers kann Cage somit schwerlich gelten, wohl aber als derjenige, der das Verfahren systematisiert und künstlerisch planmäßig ausgewertet hat.
Als Mittel für die Präparation wählte Cage Schrauben, Bolzen und Keile aus Metall, Gummi und Holz, Filzstreifen, Teile aus Plastik und Stoff. Je nachdem, in welcher Form und an welcher Stelle der Saiten sie angebracht werden, bringen sie gänzlich unterschiedene Klangresultate hervor. Sie können abdämpfen, verstärken, einzelne Obertöne und Obertongruppen hervorheben oder unterdrücken, wodurch sich tatsächlich ein riesiges und äußerst reizvolles Spektrum an schlagzeugähnlichen Geräuschklängen eröffnet. Die so entstehenden Imitate von Metall-, Holz- und Fellinstrumenten klingen nach Glocke, Steeldrum, Gamelan, Woodblock, Pauke, gedämpfter Trommel usw. Außerdem können diese Geräuschklänge gemischt werden mit realen Tonhöhen: Wenn bei den dreisaitigen Tönen in den mittleren und hohen Registern des Flügels nur zwei der drei Saiten präpariert werden und die dritte frei schwingt, kann mit dem linken Pedal, das die Hämmer verschiebt, bestimmt werden, ob alle drei oder nur die beiden präparierten Saiten angeschlagen werden sollen.
Konzert für präpariertes Klavier und Kammerorchester
Zur Bestimmung und zum Skalieren und der unendlich vielen Geräuschklänge schuf Cage für jedes Stück Präparationstabellen, in denen das zu benutzende Material, die Anzahl Saiten pro Ton und der Ort der Präparation auf der Saite festgehalten sind. So auch beim Konzert für präpariertes Klavier und Kammerorchester: Die Präparation von insgesamt 53 Tönen der Klaviatur ist auf einer Doppelseite zu Beginn der Partitur exakt vorgegeben. In einem Brief an Pierre Boulez vom 22. Mai 1951 bezeichnet Cage die Präparation in diesem Stück als die komplizierteste, die er je ausgeführt habe. Ihre Besonderheit bestehe in einer Brücke, die sich vom Resonanzboden zu den Saiten spanne, und die so platziert sei, daß sie ganz kleine Mikrotöne hervorrufe. (2) Im gleichen Brief erläutert Cage auch ausführlich seine Kompositionsverfahren. Auch hier wieder spielen Tabellen die Hauptrolle. Das zu “Tonaggregaten” gebündelte Klangmaterial füllte er in eine Tabelle von 14 x 16 Feldern ein. Die oberste Reihe enthält vierzehn verschiedene Klänge von einer beliebigen Anzahl von Instrumenten, aber mit einem statistischen Übergewicht der Flöte. In der zweiten Reihe hat die Oboe ein Übergewicht; vier Reihen sind verschiedenen Schlagzeugkombinationen vorbehalten, vier den Streichern. ….

Spätes Echo bei Boulez
Cages präpariertes Klavier übte auf Boulez eine spontane Anziehungskraft aus. 1984 erinnerte er sich:
“1949 bin ich John Cage zum ersten Mal begegnet; er hatte Schallplatten vom präparierten Klavier bei sich. Ich war von der Neuartigkeit der Klangfarben beeindruckt – faszinierender als ein Dutzend Perkussionsinstrumente.” (3)
Der Eindruck war nachhaltig: Ein spätes Echo im Werk von Boulez findet sich in der Coda von “Répons” (1981-84), wo die sechs Soloinstrumente mittels Live-Elektronik einen weiten Fächer von perkussiven Klangfarben entfalten.
In ihrer ordnenden Systematik haben Cages Tabellen eine gewisse Ähnlichkeit mit den in den fünfziger Jahren beliebten Zahlentabellen der Serialisten. Es ist denn auch kein Zufall, dass im Briefwechsel zwischen Cage und Boulez dieser Aspekt der Materialordnung immer wieder eine Rolle spielt. Und wie bei den seriellen Parametern waren auch bei Cages Präparationstabellen dem Versuch, die isolierten Klangphänomene nach einer Art Verwaltungslogik zu katalogisieren, Grenzen gesetzt. Cage musste zum Beispiel bald die Erfahrung machen, dass eine allgemein verbindliche, objektive Definition des einzelnen Klangs an den unterschiedlichen Klaviermodellen scheitern musste. Dieselbe Materialkonstellation konnte bei einem Flügel ganz anders klingen als bei einem andern.
© Max Nyffeler 2002
Die Printfassung dieses Textes ist erschienen im Programmheft zum Konzert der Musica Viva vom 11.10.2002, Bayerischer Rundfunk München.
Anmerkungen
1. John Cage: Empty Words. Writings ’73-’78, Marion Boyars Ltd.: London 1973, S. 7 
2. Brief John Cage an Pierre Boulez vom 22. Mai 1951, zit. n. Stefan Schädler, Walter Zimmermann (Hg.): John Cage. Anarchic Harmony, Mainz 1992 
3. zit. nach Jean-Jacques Nattiez, Répons in der Geschichte, in: Composers-in-Residence, Lucerne Festival 2002, Stroemfeld: Frankfurt 2002, S. 106f. 
4. Changes, in: Silence, Lectures and Writings, M.I.T. Press: Cambridge, Mass. 1961, S. 30 
Dossier John Cage
Komponisten: Portraits

Chapter Marks 08 Version 2

00:00 Begrüßung und Rundumschau
01:30 Hausaufgabe
02:00 über präpariertes Instrument hin zu neuem Instrument – und rückwärts – Vergleich mit Hunderassen
06:50 präparieren – ein bißchen und schnell das geht gar nicht
10:29 Silvia Ocougne Komponistin, Interpretin und Kuratorin – präparierte Zupfinstrumente , Spezialisten für präparierte Instrumente
12:28 Anna Spina – Violaspielerin
13:45 Verantwortung der präparierenden Musiker
15:00 präpariertes Klavier – Kindheitserinnerung Lothar und John Cage
17:49 Interview mit Georg Nußbaumer – Komponist, arbeitet oft mit zu Installationen erweiterten Musikinstrumenten , Fragen von Elisabeth
46:13 Rückschaltung zu Lothar – hat nur Elisabeths Fragen gehört
49:00 Gespräch über Georg Nussbaumers Werke und das Erleben derselbigen
50:00 Fitnessstudio – Geriatrisches Turnen
53:00 Podcast Universum – Sternstunde Synthesizer
54:00 keine Höraufgabe für 09 bis dahin – da über Notation in der Neuen Musik
in Episode 10 wieder aktiver
55:50 jetzt geht’s doch wieder ums Präparieren in den Kompositionen – wieder John Cage und auch das Zufallsprinzip
57:50 Split Rudder – Stück für Paetzold Baß-Blockflöte LIVE Höreindruck
1:00:00 über Tee und Bondage und wiedernocheinmal übers Präparieren
1:03:00 Verabschiedung

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